Blähungen und Völlegefühl – Ursachen und was Ihr Arzt tun kann

Warum der Bauch ständig drückt

Blähungen gehören zu den häufigsten Beschwerden, die mir Patienten in meiner Praxis in Zürich Seefeld schildern. Oft werden sie als harmlos abgetan – doch wenn das Völlegefühl nach jeder Mahlzeit kommt, der Bauch aufgebläht ist und nichts wirklich hilft, steckt häufig mehr dahinter als «einfach zu viel gegessen».

In der funktionellen Medizin betrachten wir Blähungen als ein Signal des Körpers. Der Darm kommuniziert – und wir sollten zuhören. In diesem Beitrag erkläre ich Ihnen die häufigsten Ursachen, wann Sie ärztliche Hilfe suchen sollten und welche diagnostischen Möglichkeiten wir heute haben.

Die häufigsten Ursachen für Blähungen

1. Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Laktoseintoleranz, Fruktosemalabsorption und Histaminintoleranz sind weit verbreitet und werden oft erst spät erkannt. Der Körper kann bestimmte Zucker oder Eiweisse nicht vollständig abbauen, was zu Gasbildung im Darm führt. Was wir tun: Gezielte Atemtests (H2-Atemtest) und Eliminationsdiäten helfen, die Auslöser zu identifizieren.

2. Dysbiose – Ungleichgewicht der Darmflora: Unser Darm beherbergt Billionen von Bakterien. Wenn das Gleichgewicht zwischen «guten» und «schlechten» Bakterien gestört ist, entstehen vermehrt Gase. Antibiotika, Stress und einseitige Ernährung sind häufige Auslöser. Was wir tun: Eine Stuhlanalyse (z.B. GI-MAP) zeigt uns genau, welche Bakterien über- oder unterrepräsentiert sind.

3. SIBO (Dünndarmfehlbesiedlung): Bei SIBO wandern Bakterien aus dem Dickdarm in den Dünndarm, wo sie nicht hingehören. Die Folge: massive Blähungen, oft schon 30 Minuten nach dem Essen. Was wir tun: Ein spezieller Atemtest kann SIBO nachweisen. Die Behandlung umfasst gezielte Antibiotika und eine angepasste Ernährung.

4. Reizdarmsyndrom (IBS): Etwa 10–15% der Bevölkerung leiden am Reizdarmsyndrom. Blähungen sind dabei eines der Leitsymptome, oft begleitet von Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung. Was wir tun: Eine gründliche Ausschlussdiagnostik ist wichtig, bevor die Diagnose IBS gestellt wird.

5. Enzymmangel: Manchmal produziert die Bauchspeicheldrüse nicht genügend Verdauungsenzyme. Besonders Fette werden dann schlecht verdaut, was zu Blähungen und Fettstühlen führt. Was wir tun: Eine Elastase-Bestimmung im Stuhl gibt Aufschluss über die Pankreasfunktion.

Wann sollten Sie zum Arzt gehen?

Gelegentliche Blähungen nach einer üppigen Mahlzeit sind normal. Doch wenn folgende Symptome auftreten, rate ich Ihnen dringend zu einer ärztlichen Abklärung: Blähungen, die täglich auftreten und Ihren Alltag einschränken, begleitende Symptome wie Gewichtsverlust, Blut im Stuhl oder Fieber, zunehmende Schmerzen im Bauchbereich, sowie Veränderungen des Stuhlgangs, die länger als vier Wochen anhalten.

Unsere Diagnostik in der Praxis

In meiner Praxis verfolgen wir einen systematischen Ansatz. Zunächst führen wir ein ausführliches Anamnesegespräch, bei dem wir Ihre Ernährungsgewohnheiten, Stresslevel und Vorgeschichte besprechen. Dann folgen gezielte Laboruntersuchungen: Blutbild, Entzündungsmarker, Schilddrüsenwerte, Zöliakie-Screening und Stuhldiagnostik. Bei Verdacht auf Unverträglichkeiten setzen wir H2-Atemtests ein. Eine Stuhlanalyse wie der GI-MAP gibt uns ein detailliertes Bild Ihrer Darmflora.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei Dysbiose setzen wir auf gezielte Probiotika und präbiotische Nahrungsmittel. Bei SIBO erfolgt eine antibiotische Therapie, gefolgt von einer Aufbauphase. Nahrungsmittelunverträglichkeiten behandeln wir mit gezielter Eliminationsdiät und unterstützen den Darm mit Enzymen und Mikronährstoffen. Ergänzend kann eine Low-FODMAP-Diät kurzfristig Linderung bringen.

Fazit

Blähungen sind kein Schicksal. In den meisten Fällen lässt sich die Ursache finden und gezielt behandeln. Wenn Sie unter chronischen Blähungen oder Völlegefühl leiden, vereinbaren Sie einen Termin in unserer Praxis – wir gehen der Sache auf den Grund.

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