Wenn der Motor überdreht
Während die Schilddrüsenunterfunktion den Körper bremst, treibt eine Überfunktion (Hyperthyreose) alles auf Hochtouren. Das Herz schlägt schneller, das Gewicht sinkt ohne Diät, und die Nervosität nimmt zu. In meiner Praxis in Zürich Seefeld sehe ich regelmässig Patienten, die ihre Symptome auf Stress schieben – dabei liegt der Auslöser in einer kleinen Drüse am Hals.
Eine unbehandelte Hyperthyreose kann ernsthafte Folgen haben, von Herzrhythmusstörungen bis zu Osteoporose. Deshalb ist eine frühzeitige Erkennung entscheidend.
Typische Symptome
Die Beschwerden bei einer Schilddrüsenüberfunktion spiegeln den beschleunigten Stoffwechsel wider: ungewollter Gewichtsverlust trotz normalem oder gesteigertem Appetit, Herzrasen, Herzstolpern oder spürbares Herzklopfen, innere Unruhe, Nervosität und Reizbarkeit, Zittern der Hände (feinschlägiger Tremor), vermehrtes Schwitzen und Wärmeunverträglichkeit, Durchfall oder häufiger Stuhlgang, Schlafstörungen, Haarausfall und dünnes Haar, Muskelschwäche – besonders in den Oberschenkeln – sowie bei Frauen unregelmässige oder ausbleibende Menstruation.
Ursachen
Morbus Basedow: Die häufigste Ursache ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper die Schilddrüse zur Überproduktion anregen. Typisch ist die sogenannte endokrine Orbitopathie – hervortretende Augen. Was wir tun: TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) im Blut bestimmen.
Autonomes Adenom / Knotige Veränderungen: Einzelne oder mehrere Knoten in der Schilddrüse können autonom Hormone produzieren, unabhängig von der Steuerung durch die Hypophyse. Was wir tun: Ultraschall der Schilddrüse und bei Bedarf Szintigraphie zur Identifikation «heisser» Knoten.
Thyreoiditis (Schilddrüsenentzündung): Eine Entzündung der Schilddrüse – etwa nach einer Virusinfektion – kann vorübergehend grosse Mengen Schilddrüsenhormone freisetzen. Was wir tun: Entzündungsmarker und Schilddrüsenwerte im Verlauf kontrollieren.
Überdosierung von Schilddrüsenmedikamenten: Bei Patienten, die wegen einer Unterfunktion L-Thyroxin einnehmen, kann eine zu hohe Dosierung Symptome einer Überfunktion auslösen. Was wir tun: Regelmässige Laborkontrolle und Dosisanpassung.
Diagnostik
In unserer Praxis umfasst die Abklärung einer vermuteten Hyperthyreose: Labordiagnostik mit TSH (supprimiert bei Überfunktion), freiem T3 und freiem T4, Autoimmundiagnostik mit TRAK und TPO-Antikörpern, Ultraschall der Schilddrüse zur Beurteilung von Grösse, Struktur und Knoten sowie bei Bedarf Überweisung zur Szintigraphie oder Feinnadelbiopsie.
Behandlung
Die Therapie hängt von der Ursache ab. Bei Morbus Basedow kommen zunächst Thyreostatika zum Einsatz – Medikamente, die die Hormonproduktion bremsen. Die Therapie dauert meist 12–18 Monate. Bei Rückfällen stehen die Radiojodtherapie oder eine Operation zur Verfügung. In der funktionellen Medizin ergänzen wir: Autoimmun-Management mit entzündungshemmender Ernährung und Darmgesundheit, Stressreduktion – da Stress ein bekannter Trigger für Basedow ist, gezielte Supplementierung mit Selen (reduziert nachweislich Antikörper bei Basedow), Schonung und ausreichend Ruhe in der akuten Phase sowie regelmässige Kontrollen zur Dosisanpassung.
Fazit
Eine Schilddrüsenüberfunktion ist eine ernste Erkrankung, die gut behandelbar ist. Wenn Sie unter unerklärlichem Gewichtsverlust, Herzrasen oder innerer Unruhe leiden, sollten Sie Ihre Schilddrüse untersuchen lassen. In unserer Praxis bieten wir eine umfassende Schilddrüsendiagnostik an. Zögern Sie nicht, sich zu melden.