Schilddrüsenunterfunktion – wenn der Stoffwechsel streikt

Die stille Epidemie

Die Schilddrüse ist klein, aber mächtig. Dieses schmetterlingsförmige Organ am Hals steuert unseren gesamten Stoffwechsel – von der Energieproduktion über die Körpertemperatur bis hin zur Stimmung. Wenn die Schilddrüse zu wenig Hormone produziert, gerät der ganze Körper aus dem Takt.

In meiner Praxis in Zürich Seefeld gehört die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) zu den am häufigsten diagnostizierten Erkrankungen. Das Tückische: Die Symptome entwickeln sich schleichend, und viele Betroffene gewöhnen sich daran, ohne zu wissen, dass eine einfache Behandlung existiert.

Typische Symptome

Die Symptome einer Hypothyreose sind vielfältig und werden oft anderen Ursachen zugeschrieben. Zu den häufigsten gehören: chronische Müdigkeit und Antriebslosigkeit trotz ausreichend Schlaf, Gewichtszunahme oder Schwierigkeiten beim Abnehmen, ständiges Frieren und kalte Hände, trockene Haut und brüchige Nägel, Haarausfall – besonders am äusseren Drittel der Augenbrauen, Verstopfung und verlangsamte Verdauung, depressive Verstimmung und Konzentrationsprobleme, erhöhtes Cholesterin, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie bei Frauen unregelmässige oder starke Menstruation.

Ursachen der Schilddrüsenunterfunktion

Hashimoto-Thyreoiditis: Die mit Abstand häufigste Ursache ist eine Autoimmunerkrankung namens Hashimoto-Thyreoiditis. Dabei greift das eigene Immunsystem die Schilddrüse an und zerstört sie langsam. Hashimoto betrifft Frauen etwa zehnmal häufiger als Männer. Was wir tun: Bestimmung der Schilddrüsen-Antikörper (TPO-AK und Thyreoglobulin-AK) im Blut.

Jodmangel: Obwohl die Schweiz kein klassisches Jodmangelgebiet mehr ist, sehen wir immer wieder suboptimale Jodwerte – besonders bei Patienten, die kein jodiertes Salz verwenden oder sich vegan ernähren. Was wir tun: Jodstatus im Urin bestimmen und bei Bedarf supplementieren.

Mikronährstoffmängel: Selen, Zink und Eisen sind essenziell für die Schilddrüsenfunktion. Ein Mangel an diesen Mikronährstoffen kann die Hormonproduktion und -umwandlung beeinträchtigen. Besonders die Umwandlung von T4 (inaktiv) zu T3 (aktiv) ist selenabhängig. Was wir tun: Umfassendes Mikronährstoff-Screening mit Selen, Zink, Eisen, Ferritin und Vitamin D.

Stress und Nebennierenschwäche: Chronischer Stress beeinflusst die Hypothalamus-Hypophysen-Schilddrüsen-Achse. Hohe Cortisolwerte hemmen die TSH-Ausschüttung und die T4-zu-T3-Umwandlung. Was wir tun: Cortisol-Tagesprofil und umfassende Stressanamnese.

Warum normale Werte nicht immer normal sind

Ein häufiges Problem in der konventionellen Medizin: Der TSH-Wert liegt im «Normbereich», aber der Patient fühlt sich schlecht. Der Grund: Die Labornormbereiche sind sehr weit gefasst. Ein TSH von 4.0 mIU/L gilt als «normal», aber viele Menschen fühlen sich erst bei einem TSH unter 2.0 wirklich wohl. Deshalb bestimmen wir in unserer Praxis immer das vollständige Schilddrüsenpanel: TSH, freies T3, freies T4, Reverse-T3, TPO-Antikörper und Thyreoglobulin-Antikörper. Nur so erhalten wir ein vollständiges Bild.

Behandlung

Die Standardtherapie ist die Substitution mit L-Thyroxin (T4). Doch manchmal reicht das nicht aus – insbesondere wenn die Umwandlung von T4 zu T3 gestört ist. In der funktionellen Medizin betrachten wir die Schilddrüse im Kontext des ganzen Körpers: Optimierung der Schilddrüsenmedikation mit regelmässiger Laborkontrolle, Behandlung der Grundursache bei Hashimoto durch Immunmodulation, gezielte Supplementierung mit Selen, Zink, Eisen und Vitamin D, Darmsanierung – denn 70% des Immunsystems sitzen im Darm, Stressmanagement und Lebensstiländerungen sowie entzündungshemmende Ernährung.

Fazit

Eine Schilddrüsenunterfunktion ist gut behandelbar – vorausgesetzt, sie wird richtig diagnostiziert. Wenn Sie unter den genannten Symptomen leiden, lohnt sich eine umfassende Abklärung. In unserer Praxis schauen wir genauer hin als nur auf den TSH-Wert. Vereinbaren Sie einen Termin – Ihr Stoffwechsel wird es Ihnen danken.

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