ADHS bei Erwachsenen – mehr als nur Konzentrationsprobleme

Die unterschätzte Diagnose

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) ist keine Kinderkrankheit. Etwa 60% der Betroffenen nehmen ihre Symptome mit ins Erwachsenenalter. In meiner Praxis in Zürich Seefeld begegne ich regelmässig Erwachsenen, die erst mit 30, 40 oder 50 Jahren die Diagnose erhalten – nach Jahren des Kampfes mit Konzentration, Organisation und innerer Unruhe.

Die späte Diagnose hat oft tiefgreifende Auswirkungen: berufliche Probleme, gescheiterte Beziehungen und ein angeschlagenes Selbstwertgefühl. Umso wichtiger ist eine fundierte Abklärung.

Symptome bei Erwachsenen

ADHS bei Erwachsenen sieht anders aus als bei Kindern. Die Hyperaktivität wandelt sich oft in innere Unruhe. Typische Symptome sind: Schwierigkeiten, bei Aufgaben dranzubleiben – besonders bei Routine, chronisches Aufschieben (Prokrastination), Vergesslichkeit im Alltag wie verlorene Schlüssel und vergessene Termine, Schwierigkeiten mit Organisation und Zeitmanagement, innere Rastlosigkeit und das Gefühl, einen «Motor» im Kopf zu haben, Impulsivität bei Entscheidungen und Aussagen, emotionale Dysregulation mit schnellen Stimmungswechseln, Probleme beim Zuhören in Gesprächen, Hyperfokus auf interessante Aufgaben bei gleichzeitigem Unvermögen, langweilige Aufgaben zu erledigen, sowie ein Gefühl, das eigene Potenzial nicht ausschöpfen zu können.

ADHS und körperliche Gesundheit

Was viele nicht wissen: ADHS hat auch eine körperliche Dimension. Menschen mit ADHS haben häufiger Schlafstörungen, da der zirkadiane Rhythmus oft verschoben ist. Das Risiko für Übergewicht ist erhöht durch impulsives Essverhalten. Die Stressregulation ist beeinträchtigt, was zu Cortisol-Dysregulation führt. Nährstoffmängel sind häufiger, da die Ernährung oft unregelmässig ist. Und komorbiditäten wie Angststörungen und Depression treten bei über 50% der ADHS-Betroffenen auf.

Diagnostik

Die ADHS-Diagnose bei Erwachsenen erfordert Sorgfalt. In unserer Praxis umfasst die Abklärung: ausführliche Anamnese mit Fokus auf Kindheit, Schule und Berufsleben, standardisierte ADHS-Fragebögen (WURS-k, CAARS), Ausschluss anderer Ursachen für die Symptome sowie eine medizinische Abklärung, die bei uns besonders gründlich ausfällt.

Die medizinische Differentialdiagnose ist entscheidend, denn viele Erkrankungen imitieren ADHS-Symptome: Schilddrüsenstörungen, Eisenmangel, Schlafapnoe, Depression und Angststörungen, Vitamin-B12-Mangel, Blutzuckerschwankungen und hormonelle Störungen. Deshalb bestimmen wir: Schilddrüsenwerte, Eisen und Ferritin, Vitamin D, B12 und Folat, Blutzucker und HbA1c, Cortisol und Hormonpanel.

Behandlung

ADHS-Behandlung beim Erwachsenen ist multimodal. Die Psychoedukation ist der erste und wichtigste Schritt: Verstehen, was ADHS ist, nimmt Schuld und Scham. Bei nachgewiesenem ADHS kann eine medikamentöse Therapie erwogen werden – Stimulanzien (Methylphenidat, Lisdexamfetamin) zeigen bei ADHS die beste Wirksamkeit. Die Einstellung erfolgt sorgfältig und in Zusammenarbeit mit einem Psychiater. In der funktionellen Medizin ergänzen wir: Optimierung der Schlafhygiene, Ernährungsanpassung mit Fokus auf Proteine, Omega-3 und stabilen Blutzucker, gezielte Supplementierung mit Zink, Magnesium, Eisen und Omega-3-Fettsäuren (gut untersucht bei ADHS), regelmässige Bewegung – besonders Ausdauersport verbessert die Exekutivfunktionen, Strukturhilfen im Alltag sowie Coaching oder Verhaltenstherapie für ADHS-spezifische Strategien.

Fazit

Wenn Sie sich in diesen Beschwerden wiedererkennen, könnte eine ADHS-Abklärung Ihr Leben verändern. Die Diagnose ist kein Stigma, sondern ein Schlüssel zu besseren Strategien und gegebenenfalls wirksamer Behandlung. In unserer Praxis bieten wir die medizinische Basisdiagnostik und arbeiten eng mit spezialisierten Psychiatern zusammen. Vereinbaren Sie einen Termin – es lohnt sich.

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