Depression – körperliche Ursachen, die oft übersehen werden

Mehr als ein Stimmungstief

Depression ist eine der häufigsten psychischen Erkrankungen weltweit. In der Schweiz leiden etwa 6–8% der Bevölkerung an einer klinischen Depression. Was viele nicht wissen: Hinter einer depressiven Symptomatik können auch körperliche Ursachen stecken. In meiner Praxis in Zürich Seefeld erlebe ich regelmässig, dass eine gezielte medizinische Abklärung Faktoren aufdeckt, die eine Depression verursachen oder verschlimmern.

Ich sage nicht, dass Depression «nur körperlich» ist. Aber ich bin überzeugt: Eine gründliche medizinische Abklärung sollte immer Teil der Diagnostik sein.

Körperliche Ursachen von Depression

1. Schilddrüsenunterfunktion: Eine der häufigsten und am meisten übersehenen Ursachen. Die Schilddrüse beeinflusst den Serotonin- und Dopaminstoffwechsel direkt. Selbst eine subklinische Hypothyreose (TSH erhöht, fT4 noch normal) kann depressive Symptome auslösen. Was wir tun: Vollständiges Schilddrüsenpanel – nicht nur TSH.

2. Vitamin-D-Mangel: Vitamin D ist kein reines «Knochenvitamin». Rezeptoren für Vitamin D finden sich im gesamten Gehirn, besonders in Regionen, die für die Stimmungsregulation zuständig sind. In der Schweiz haben bis zu 60% der Bevölkerung im Winter einen Vitamin-D-Mangel. Was wir tun: 25-OH-Vitamin-D im Blut bestimmen und bei Mangel hochdosiert supplementieren.

3. Eisenmangel: Eisen ist essenziell für die Synthese von Dopamin und Serotonin – den «Glückshormonen» im Gehirn. Ein Eisenmangel kann Depression verursachen, lange bevor eine Anämie auftritt. Was wir tun: Ferritin bestimmen – ein Wert unter 50 ng/ml kann bereits Symptome verursachen, auch wenn er als «normal» gilt.

4. Vitamin-B12- und Folsäuremangel: Beide B-Vitamine sind entscheidend für die Methylierung – einen biochemischen Prozess, der für die Neurotransmitterproduktion unverzichtbar ist. Ein Mangel führt zu erhöhtem Homocystein, was wiederum neurotoxisch wirkt. Was wir tun: B12, Folat und Homocystein im Blut bestimmen.

5. Chronische Entzündung: Die «Entzündungstheorie der Depression» ist wissenschaftlich gut belegt. Chronische niedriggradige Entzündungen – durch Darmprobleme, Übergewicht, Autoimmunerkrankungen oder chronische Infektionen – aktivieren entzündliche Signalwege im Gehirn und senken den Serotoninspiegel. Was wir tun: hsCRP, IL-6 und Ferritin als Entzündungsmarker bestimmen.

6. Darmdysbiose: 90% des Serotonins wird im Darm produziert. Eine gestörte Darmflora kann die Serotoninproduktion beeinträchtigen und über die Darm-Hirn-Achse depressive Symptome auslösen oder verstärken. Was wir tun: Stuhlanalyse und gezielte Darmaufbautherapie.

7. Hormonelle Dysbalancen: Testosteronmangel beim Mann, Östrogendominanz bei der Frau, Cortisolstörungen – all diese hormonellen Imbalancen können depressive Symptome verursachen. Was wir tun: Umfassendes Hormonpanel.

Unsere Diagnostik

In unserer Praxis kombinieren wir die psychische Anamnese mit einer gründlichen medizinischen Abklärung: grosses Blutbild und Differentialblutbild, Schilddrüsenwerte (TSH, fT3, fT4, Antikörper), Vitamin D, B12, Folat und Homocystein, Eisen, Ferritin und Transferrinsättigung, Entzündungsmarker (hsCRP, BSG), Blutzucker und HbA1c, Hormonpanel (Cortisol, DHEA-S, Testosteron/Östrogen), Leberwerte und Nierenwerte sowie bei Indikation Stuhldiagnostik.

Behandlungsansatz

Wenn körperliche Ursachen gefunden werden, behandeln wir diese gezielt: Optimierung von Mikronährstoffen, Schilddrüsenbehandlung, Darmaufbau, Hormonausgleich und entzündungshemmende Massnahmen. Begleitend empfehlen wir regelmässige Bewegung (eine der wirksamsten antidepressiven Massnahmen), eine nährstoffreiche Ernährung, Schlafhygiene und bei Bedarf Psychotherapie und Medikation in Zusammenarbeit mit Psychiatern.

Fazit

Depression verdient eine ganzheitliche Abklärung. Bevor oder während Sie Antidepressiva einnehmen, lohnt es sich, nach körperlichen Ursachen zu suchen. Oft lässt sich die Symptomatik allein durch die Behandlung von Mängeln und Dysbalancen deutlich verbessern. Vereinbaren Sie einen Termin in unserer Praxis – wir schauen genauer hin.

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