Wenn Corona nicht aufhört
Die akute COVID-19-Infektion ist überstanden, aber die Beschwerden bleiben. Wochen, Monate, manchmal über ein Jahr nach der Infektion leiden Betroffene unter anhaltenden Symptomen. In meiner Praxis in Zürich Seefeld behandle ich seit 2021 Patienten mit Long COVID – und die funktionelle Medizin bietet hier wertvolle Ansätze.
Long COVID (oder Post-COVID-Syndrom) betrifft schätzungsweise 10–20% aller COVID-19-Infizierten. Die Symptome sind vielfältig und betreffen nahezu jedes Organ.
Häufige Symptome
Das Symptomspektrum ist breit. Zu den häufigsten Beschwerden gehören: chronische Fatigue und Belastungsintoleranz (Post-Exertional Malaise), Brain Fog mit Konzentrations- und Gedächtnisproblemen, Kurzatmigkeit und verminderte Ausdauer, Herzrasen und orthostatische Intoleranz (POTS), Schlafstörungen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, Geruchs- und Geschmacksverlust, Angst und Depression sowie Magen-Darm-Beschwerden.
Was passiert im Körper?
Die Wissenschaft versteht Long COVID zunehmend besser. Mehrere Mechanismen scheinen beteiligt: Chronische Entzündung mit persistierenden Entzündungsmediatoren und Mikrothromben. Autoimmunreaktion durch virale Aktivierung des Immunsystems gegen körpereigenes Gewebe. Mitochondriale Dysfunktion – die Kraftwerke der Zellen arbeiten nicht mehr richtig. Dysautonomie – das autonome Nervensystem ist gestört. Darmdysbiose – COVID verändert die Darmflora nachhaltig. Virale Persistenz – Virusreste können in Geweben überdauern.
Unsere Diagnostik
In unserer Praxis bieten wir eine umfassende Long-COVID-Abklärung: grosses Blutbild und Differentialblutbild, Entzündungsmarker (hsCRP, IL-6, Ferritin, D-Dimere), Mikronährstoffstatus (Vitamin D, B12, Eisen, Zink, Selen, Magnesium), Schilddrüsenpanel, Cortisol-Tagesprofil, Blutzucker und HbA1c, Herzdiagnostik (EKG, bei Bedarf Langzeit-EKG), Lungenfunktionstest bei Atembeschwerden, Stuhldiagnostik bei Darmbeschwerden sowie Schellong-Test bei Verdacht auf POTS.
Behandlungsansätze der funktionellen Medizin
Entzündungshemmung: Omega-3-Fettsäuren (hochdosiert), Kurkumin, Quercetin und eine antientzündliche Ernährung bilden die Basis.
Mitochondrien-Support: CoQ10, NAD+-Vorstufen (NMN/NR), Alpha-Liponsäure, PQQ und B-Vitamine unterstützen die zelluläre Energieproduktion.
Mikronährstoffoptimierung: Gezielte Supplementierung nachgewiesener Mängel, besonders Vitamin D, Zink und Selen.
Darmaufbau: Probiotika, Präbiotika und bei Bedarf L-Glutamin für die Darmbarriere.
Pacing: Das wichtigste Konzept bei Post-Exertional Malaise – Aktivität so dosieren, dass kein Crash ausgelöst wird. Langsame Steigerung statt «Durchpowern».
Autonomes Nervensystem: Vagusnerv-Stimulation, Atemübungen und sanftes Yoga bei Dysautonomie.
Infusionstherapie: Hochdosiertes Vitamin C, Glutathion und NAD+ als intravenöse Therapie können die Erholung beschleunigen.
Was Sie selbst tun können
Pacing ernst nehmen – hören Sie auf Ihren Körper. Antientzündlich essen mit viel Gemüse, Omega-3 und wenig Zucker. Ausreichend schlafen. Leichte Bewegung, die keinen Crash auslöst. Stress reduzieren und Geduld haben – die Erholung braucht Zeit.
Fazit
Long COVID ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die einen individuellen Behandlungsansatz erfordert. Die funktionelle Medizin bietet wertvolle Werkzeuge, um die Erholung zu unterstützen. Wenn Sie nach einer COVID-Infektion nicht wieder auf die Beine kommen, vereinbaren Sie einen Termin in unserer Praxis. Wir entwickeln gemeinsam einen Plan für Ihre Genesung.