Immer wieder erkältet
Drei Erkältungen pro Winter können normal sein. Aber wenn Sie gefühlt ständig krank sind, jeder Infekt Wochen dauert und Sie sich nie richtig erholen, stimmt etwas nicht. In meiner Praxis in Zürich Seefeld sehe ich viele Patienten mit genau diesem Muster – und hinter der Infektanfälligkeit stecken fast immer identifizierbare und behandelbare Ursachen.
Wann ist häufig zu häufig?
Als Faustregel gilt: Mehr als vier Atemwegsinfekte pro Jahr bei Erwachsenen sind abklärungswürdig. Ebenso, wenn Infekte ungewöhnlich lang dauern, immer am selben Ort auftreten (z.B. Nasennebenhöhlen, Blase), oder wenn Sie Antibiotika benötigen.
Häufige Ursachen für Infektanfälligkeit
1. Vitamin-D-Mangel: Vitamin D aktiviert antimikrobielle Peptide und reguliert die Immunantwort. In der Schweiz sind 50–60% der Bevölkerung im Winter im Mangel. Studien zeigen eine klare Korrelation zwischen niedrigem Vitamin-D-Spiegel und häufigen Atemwegsinfekten. Was wir tun: 25-OH-Vitamin-D bestimmen und auf einen Zielwert von 40–60 ng/ml supplementieren.
2. Eisenmangel: Eisen ist nicht nur für den Sauerstofftransport wichtig, sondern auch für die Funktion der Immunzellen. Ein Mangel – auch ohne manifeste Anämie – kann die Immunabwehr schwächen. Was wir tun: Ferritin, Transferrinsättigung und Blutbild bestimmen.
3. Zinkmangel: Zink ist essenziell für die Reifung und Funktion von T-Zellen und natürlichen Killerzellen. Ein Mangel ist häufiger als gedacht, besonders bei Stress und einseitiger Ernährung. Was wir tun: Zink im Vollblut bestimmen.
4. Chronischer Stress: Dauerstress erhöht Cortisol, das in hohen Konzentrationen die Immunantwort unterdrückt. Das erklärt, warum viele Menschen genau dann krank werden, wenn der Stress nachlässt – etwa im Urlaub. Was wir tun: Cortisol-Tagesprofil und Stressanamnese.
5. Schlafmangel: Weniger als sieben Stunden Schlaf verdreifacht das Erkältungsrisiko. Im Schlaf werden Zytokine freigesetzt, die für die Immunabwehr entscheidend sind. Was wir tun: Schlafanamnese, bei Bedarf Schlaflabor.
6. Gestörte Darmflora: Da 70% des Immunsystems im Darm sitzen, hat eine Dysbiose direkte Auswirkungen auf die Infektabwehr. Häufige Antibiotikabehandlungen verschlimmern das Problem. Was wir tun: Stuhlanalyse und gezielter Darmaufbau.
7. IgA-Mangel oder Immundefekt: Selten, aber wichtig: Ein angeborener oder erworbener Mangel an Immunglobulinen kann zu häufigen Infekten führen. Was wir tun: Immunglobuline (IgG, IgA, IgM) im Blut bestimmen.
Diagnostik
Unser Abklärungsprogramm umfasst: grosses Blutbild mit Differentialblutbild, Immunglobuline, Mikronährstoffe (Vitamin D, Zink, Selen, Eisen, Ferritin), Entzündungsmarker, Schilddrüsenwerte, Cortisol-Tagesprofil bei Stressverdacht und Stuhldiagnostik bei gastrointestinalen Begleitsymptomen.
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach den identifizierten Ursachen: Supplementierung bei nachgewiesenen Mängeln, Darmaufbau mit gezielten Probiotika, Schlafoptimierung, Stressreduktion und Lebensstilanpassung. Ergänzend können immunmodulierende Infusionen mit hochdosiertem Vitamin C und Zink die Immunabwehr kurzfristig stärken.
Fazit
Ständig krank zu sein ist nicht normal und kein Schicksal. Hinter häufigen Infekten stecken meist identifizierbare Ursachen, die gezielt behandelt werden können. Vereinbaren Sie einen Termin in unserer Praxis – wir stärken Ihre Abwehr von innen heraus.