Hashimoto-Thyreoiditis – die häufigste Autoimmunerkrankung verstehen

Wenn das Immunsystem die Schilddrüse angreift

Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Autoimmunerkrankung und die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion in der westlichen Welt. In meiner Praxis in Zürich Seefeld diagnostiziere ich Hashimoto mehrmals pro Woche – oft bei Patienten, die jahrelang mit unklaren Symptomen gekämpft haben.

Das Besondere an Hashimoto: Die konventionelle Medizin behandelt nur die Folge (Unterfunktion) mit L-Thyroxin. Die funktionelle Medizin fragt zusätzlich: Warum greift das Immunsystem die Schilddrüse an – und wie können wir das stoppen?

Symptome

Hashimoto verläuft in Phasen. Anfangs kann es zu Schwankungen zwischen Über- und Unterfunktion kommen, was die Diagnose erschwert. Typische Symptome der Unterfunktionsphase sind: chronische Müdigkeit, Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit, trockene Haut und Haarausfall, Verstopfung, depressive Verstimmung, Konzentrationsprobleme, Muskelschmerzen und erhöhtes Cholesterin. In Schubphasen können paradoxerweise auch Überfunktionssymptome auftreten: Herzrasen, Nervosität, Durchfall und Gewichtsverlust.

Diagnose

Die Diagnose ist einfach – wenn man danach sucht. Leider werden die Antikörper nicht immer routinemässig bestimmt. Unser Diagnostikpanel umfasst: TSH, freies T3 und freies T4, TPO-Antikörper (Anti-Thyreoidale Peroxidase) und Thyreoglobulin-Antikörper (Tg-AK), Ultraschall der Schilddrüse (typisches inhomogenes Muster). Zusätzlich bestimmen wir Mikronährstoffe, die für die Schilddrüse relevant sind: Selen, Zink, Eisen, Ferritin, Vitamin D und Jod.

Warum das Immunsystem die Schilddrüse angreift

Darmgesundheit: Leaky Gut und Dysbiose sind bei Hashimoto-Patienten häufig. Eine durchlässige Darmbarriere aktiviert das Immunsystem chronisch. Was wir tun: Stuhldiagnostik mit Zonulin und Aufbau der Darmbarriere.

Gluten: Die Molekularstruktur von Gliadin (Glutenbestandteil) ähnelt dem Schilddrüsengewebe. Das Immunsystem kann beide verwechseln – ein Phänomen namens «molekulares Mimikry». Was wir tun: Zöliakie-Screening und bei Hashimoto oft Empfehlung zur glutenfreien Ernährung als Versuch.

Selenmangel: Selen schützt die Schilddrüse vor oxidativem Stress und reguliert die Immunantwort. Studien zeigen, dass Selensupplementierung die TPO-Antikörper senken kann. Was wir tun: Selen im Vollblut bestimmen und supplementieren.

Stress: Chronischer Stress ist ein bekannter Trigger für Hashimoto-Schübe. Cortisol beeinflusst die Immunregulation und die Schilddrüsenfunktion. Was wir tun: Cortisol-Profil und Stressmanagement.

Infektionen: Bestimmte Infektionen (EBV, H. pylori) werden mit Hashimoto in Verbindung gebracht. Was wir tun: Bei Verdacht gezielte Antikörperbestimmung.

Ganzheitliche Behandlung

Neben der Schilddrüsenhormon-Substitution setzen wir auf: Selensupplementierung (200 µg/Tag – evidenzbasiert), glutenfreie Ernährung als therapeutischer Versuch, Darmaufbau mit Probiotika und L-Glutamin, entzündungshemmende Ernährung mit Omega-3, Kurkuma und Antioxidantien, Vitamin-D-Optimierung auf 40–60 ng/ml, Stressreduktion und Schlafoptimierung, regelmässige Laborkontrolle der Antikörper und Schilddrüsenwerte sowie Identifikation und Vermeidung individueller Trigger.

Fazit

Hashimoto ist mehr als eine Schilddrüsenunterfunktion – es ist eine Autoimmunerkrankung, die einen ganzheitlichen Ansatz verdient. Wenn wir die Ursachen der Immunfehlsteuerung angehen, können wir nicht nur die Symptome bessern, sondern oft auch die Antikörper senken. Vereinbaren Sie einen Termin in unserer Praxis – wir begleiten Sie auf dem Weg zu mehr Wohlbefinden.

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