Kalte Hände und Füsse – was dahintersteckt

Mehr als nur eine Eigenart

«Mir ist immer kalt» – diesen Satz höre ich in meiner Praxis in Zürich Seefeld erstaunlich oft. Kalte Hände und Füsse werden gerne abgetan als individuelle Eigenart. Doch dahinter können behandelbare medizinische Ursachen stecken.

Natürlich frieren manche Menschen einfach schneller als andere. Aber wenn die Kälte extrem ist, schmerzhaft wird oder mit Farbveränderungen der Finger einhergeht, ist eine Abklärung sinnvoll.

Warum werden Hände und Füsse kalt?

Der Körper reguliert seine Temperatur, indem er bei Kälte die Blutgefässe in den Extremitäten verengt, um die Kerntemperatur zu schützen. Bei manchen Menschen ist diese Reaktion übertrieben oder es gibt grundlegende Probleme mit der Durchblutung oder dem Stoffwechsel.

Häufige Ursachen

1. Schilddrüsenunterfunktion: Die häufigste medizinische Ursache für chronisches Frieren. Die Schilddrüse steuert den Grundumsatz und die Wärmeproduktion. Bei einer Unterfunktion sinkt die Körpertemperatur und die periphere Durchblutung verschlechtert sich. Was wir tun: Vollständiges Schilddrüsenpanel (TSH, fT3, fT4, Antikörper).

2. Eisenmangel und Anämie: Eisen transportiert Sauerstoff – weniger Eisen bedeutet weniger Sauerstoff in den Extremitäten und weniger Wärmeproduktion. Was wir tun: Blutbild, Ferritin und Transferrinsättigung.

3. Niedriger Blutdruck: Bei Hypotonie wird weniger Blut in die Peripherie gepumpt. Die Folge: kalte Finger und Zehen. Was wir tun: Blutdruckmessung und Kreislaufdiagnostik.

4. Raynaud-Syndrom: Bei dieser Gefässstörung verengen sich die kleinen Arterien in Fingern (seltener Zehen) anfallsartig und übermässig. Typisch: Weiss-Blau-Rot-Verfärbung der Finger bei Kälte oder Stress. Man unterscheidet das primäre Raynaud-Syndrom (harmlos, häufig bei jungen Frauen) vom sekundären (Hinweis auf Autoimmunerkrankung). Was wir tun: Klinische Untersuchung, bei Verdacht auf sekundäres Raynaud: ANA, Rheumafaktor und Kapillarmikroskopie.

5. Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK): Verengung der Beinarterien durch Arteriosklerose. Neben kalten Füssen treten Schmerzen beim Gehen auf (Schaufensterkrankheit). Was wir tun: Knöchel-Arm-Index (ABI) und bei Bedarf Duplexsonographie.

6. Diabetes: Diabetes schädigt langfristig kleine Blutgefässe und Nerven (diabetische Neuropathie), was zu kalten Füssen führt. Was wir tun: Blutzucker, HbA1c und neurologische Untersuchung.

7. Rauchen: Nikotin verengt die Blutgefässe und verschlechtert die periphere Durchblutung erheblich.

8. Stress: Chronischer Stress aktiviert das sympathische Nervensystem, das die peripheren Gefässe verengt. Viele Menschen mit kalten Händen haben erhöhte Cortisolwerte. Was wir tun: Stressanamnese und bei Bedarf Cortisol-Profil.

Diagnostik

Unser Abklärungsprogramm: Blutbild mit Eisenstatus, Schilddrüsenwerte, Blutzucker und HbA1c, Blutdruck, bei Verdacht auf Raynaud: Autoimmun-Screening, bei Verdacht auf PAVK: Knöchel-Arm-Index sowie klinische Untersuchung der Pulse und Extremitäten.

Behandlung

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Generelle Massnahmen: regelmässige Bewegung zur Förderung der Durchblutung, Wechselbäder und Kneipp-Anwendungen, Stressmanagement, Rauchstopp, ausreichend warme Kleidung und gezielte Behandlung der Grunderkrankung.

Fazit

Kalte Hände und Füsse sind mehr als ein Schönheitsfehler. Wenn Sie chronisch frieren, lohnt sich eine medizinische Abklärung. In unserer Praxis finden wir die Ursache und helfen Ihnen, wieder warm zu werden.

WhatsApp