Wenn die Beine nicht stillhalten
Das Restless Legs Syndrom (RLS) betrifft 5–10% der Bevölkerung und ist damit eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. In meiner Praxis in Zürich Seefeld sehe ich RLS regelmässig – und oft werden die Beschwerden unterschätzt oder nicht richtig diagnostiziert.
Typische Symptome
Unangenehmer Bewegungsdrang in den Beinen (selten Armen), begleitet von Missempfindungen wie Kribbeln, Ziehen, Brennen oder dem Gefühl, als ob etwas unter der Haut krabbelt. Verschlimmerung in Ruhe und abends/nachts. Besserung durch Bewegung. Folge: erhebliche Schlafstörungen und eingeschränkte Lebensqualität.
Ursachen
1. Eisenmangel: Die häufigste behandelbare Ursache. Eisen ist an der Dopaminproduktion beteiligt – und Dopamin spielt eine zentrale Rolle bei RLS. Wichtig: Ferritin kann «normal» sein (z.B. 30 ng/ml), aber für RLS-Patienten zu niedrig. Zielwert bei RLS: Ferritin über 75 ng/ml. Was wir tun: Ferritin, Eisen, Transferrinsättigung bestimmen.
2. Magnesiummangel: Magnesium reguliert die Nervenerregbarkeit. Ein Mangel kann RLS-Symptome verursachen oder verschlimmern. Was wir tun: Magnesium im Vollblut.
3. Vitamin-D-Mangel: Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und RLS. Was wir tun: 25-OH-Vitamin-D bestimmen.
4. Schilddrüsenstörung: Sowohl Über- als auch Unterfunktion können RLS auslösen. Was wir tun: Schilddrüsenpanel.
5. Niereninsuffizienz: RLS tritt gehäuft bei eingeschränkter Nierenfunktion auf. Was wir tun: Kreatinin und GFR.
6. Medikamente: Antidepressiva (SSRIs), Antihistaminika und Dopaminantagonisten können RLS auslösen. Was wir tun: Medikamentenreview.
7. Schwangerschaft: RLS tritt bei bis zu 25% der Schwangeren auf, meist im dritten Trimester.
Diagnostik
Unser RLS-Check: Ferritin (Zielwert über 75 ng/ml), Eisen und Transferrinsättigung, Magnesium im Vollblut, Vitamin D, Schilddrüsenwerte, Nierenwerte, Blutzucker und Medikamentenanamnese.
Behandlung
Eisensupplementierung bei Ferritin unter 75 (oral oder als Infusion). Magnesium abends (300–400 mg). Vitamin-D-Optimierung. Schlafhygiene und Abendrituale. Abendlicher Spaziergang oder leichte Dehnung. Vermeidung von Koffein und Alkohol. Bei schweren Fällen: medikamentöse Therapie in Zusammenarbeit mit Neurologie.
Fazit
RLS ist häufig und gut behandelbar – besonders wenn ein Eisenmangel die Ursache ist. Lassen Sie sich untersuchen. In unserer Praxis finden wir die Ursache und bringen Ihre Beine zur Ruhe.