Angststörungen – wenn die Angst den Alltag bestimmt

Angst ist normal – bis sie es nicht mehr ist

Angst ist ein überlebenswichtiges Gefühl. Sie warnt uns vor Gefahren und macht uns aufmerksam. Doch wenn die Angst ohne erkennbaren Grund auftaucht, sich verselbständigt und den Alltag einschränkt, sprechen wir von einer Angststörung. In meiner Praxis in Zürich Seefeld sehe ich häufig Patienten, deren Angst nicht nur psychische, sondern auch klare körperliche Ursachen hat.

Die gute Nachricht: Angststörungen sind gut behandelbar – besonders wenn wir die Ursachen verstehen.

Formen der Angststörung

Man unterscheidet verschiedene Typen: Die generalisierte Angststörung äussert sich als ständige Sorge und innere Anspannung. Panikstörungen zeigen sich in plötzlichen Panikattacken mit Herzrasen, Atemnot und Todesangst. Soziale Angststörungen betreffen die Furcht vor sozialen Situationen und Bewertung. Phobien sind übertriebene Angst vor bestimmten Objekten oder Situationen. Und die Agoraphobie zeigt sich als Angst vor Orten, an denen Flucht schwierig wäre.

Körperliche Ursachen, die Angst auslösen können

1. Schilddrüsenüberfunktion: Eine der wichtigsten Differentialdiagnosen. Zu viel Schilddrüsenhormon macht nervös, unruhig und ängstlich – Symptome, die einer Angststörung zum Verwechseln ähnlich sind. Was wir tun: Schilddrüsenwerte bestimmen – TSH, fT3, fT4.

2. Cortisolüberschuss: Chronischer Stress führt zu erhöhtem Cortisol, das direkt auf die Angstzentren im Gehirn (Amygdala) wirkt. Die Folge: erhöhte Wachsamkeit und Angstbereitschaft. Was wir tun: Cortisol-Tagesprofil.

3. Magnesiummangel: Magnesium ist der wichtigste «Beruhigungsmineral» im Körper. Es reguliert die Erregbarkeit der Nervenzellen. Ein Mangel kann Ängstlichkeit, Nervosität und Panikattacken begünstigen. Was wir tun: Magnesium im Vollblut bestimmen und gezielt supplementieren.

4. Blutzuckerschwankungen: Hypoglykämien (Unterzuckerungen) lösen eine Adrenalinausschüttung aus, die Herzrasen, Schwitzen und Angst verursacht – identisch mit Panikattacken. Viele Patienten mit «Panikattacken» haben tatsächlich reaktive Hypoglykämien nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten. Was wir tun: Nüchternblutzucker, Insulin und HbA1c bestimmen.

5. Darmdysbiose: Der Darm produziert über 90% des körpereigenen Serotonins und beeinflusst über die Vagusnerv-Verbindung direkt die Angstregulation im Gehirn. Studien zeigen, dass bestimmte Darmbakterien anxiolytisch (angstlösend) wirken. Was wir tun: Stuhlanalyse und gezielte probiotische Therapie.

6. Histaminintoleranz: Histamin aktiviert das sympathische Nervensystem und kann Herzrasen, Atemnot, Schwitzen und Panikgefühle auslösen. Was wir tun: DAO-Aktivität und Histaminspiegel bestimmen.

7. Eisenmangel und B-Vitamin-Mangel: Beide sind an der Neurotransmittersynthese beteiligt. Ein Mangel kann die Angstbereitschaft erhöhen. Was wir tun: Umfassendes Mikronährstoff-Screening.

Diagnostik in unserer Praxis

Unser Ansatz kombiniert die psychische mit der medizinischen Diagnostik: strukturiertes Anamnesegespräch, Schilddrüsenpanel, Cortisol-Tagesprofil, Blutzucker und Insulin, Mikronährstoffe (Magnesium, Eisen, B12, Folat, Vitamin D), Entzündungsmarker und bei Bedarf Stuhldiagnostik und DAO-Bestimmung. So decken wir behandelbare körperliche Ursachen auf.

Ganzheitliche Behandlung

Neben der Behandlung identifizierter körperlicher Ursachen empfehlen wir: regelmässige Bewegung – Ausdauersport ist nachweislich anxiolytisch, blutzuckerstabilisierende Ernährung, gezielte Supplementierung bei Mängeln (besonders Magnesium und B-Vitamine), Atemtechniken und Vagusnerv-Stimulation, Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR), bei Bedarf Psychotherapie (KVT ist Goldstandard) sowie medikamentöse Therapie in Zusammenarbeit mit Spezialisten wenn nötig.

Fazit

Angststörungen haben oft eine körperliche Komponente, die in der rein psychiatrischen Behandlung übersehen wird. Wenn wir diese Faktoren erkennen und behandeln, verbessern sich die Symptome häufig deutlich. In unserer Praxis bieten wir die umfassende Abklärung, die Sie verdienen. Vereinbaren Sie einen Termin.

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