Ein Immunsystem ausser Kontrolle
Bei einer Autoimmunerkrankung richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper. Statt Viren und Bakterien zu bekämpfen, greift es gesundes Gewebe an – Schilddrüse, Gelenke, Darm, Haut oder andere Organe. In meiner Praxis in Zürich Seefeld sehe ich zunehmend Patienten mit Autoimmunerkrankungen – ein Trend, der weltweit beobachtet wird.
Die funktionelle Medizin betrachtet Autoimmunerkrankungen anders als die konventionelle Medizin: Wir fragen nicht nur «Was ist kaputt?», sondern «Warum greift das Immunsystem sich selbst an?».
Häufige Autoimmunerkrankungen
Es gibt über 80 bekannte Autoimmunerkrankungen. Zu den häufigsten gehören: Hashimoto-Thyreoiditis (Schilddrüse), Morbus Basedow (Schilddrüse), Rheumatoide Arthritis (Gelenke), Typ-1-Diabetes (Bauchspeicheldrüse), Multiple Sklerose (Nervensystem), Zöliakie (Dünndarm), Morbus Crohn und Colitis ulcerosa (Darm), Psoriasis (Haut), Lupus erythematodes (verschiedene Organe) und Vitiligo (Haut).
Warum entstehen Autoimmunerkrankungen?
Das Drei-Säulen-Modell: Die aktuelle Forschung geht davon aus, dass drei Faktoren zusammenkommen müssen: eine genetische Veranlagung, ein Trigger aus der Umwelt und eine erhöhte Darmpermeabilität (Leaky Gut). Während wir die Gene nicht ändern können, können wir die anderen beiden Faktoren beeinflussen.
Trigger-Faktoren: Infektionen – bestimmte Viren und Bakterien können das Immunsystem fehlleiten. Stress – chronischer Stress ist ein nachgewiesener Trigger für Autoimmunschübe. Umweltgifte wie Schwermetalle, Pestizide und Weichmacher belasten das Immunsystem. Ernährung – Gluten, verarbeitete Lebensmittel und Zucker können Entzündungen fördern. Darmdysbiose – eine gestörte Darmflora begünstigt die Entstehung von Autoimmunreaktionen. Hormonelle Veränderungen erklären, warum Frauen häufiger betroffen sind.
Die Rolle des Darms
Der Darm spielt eine Schlüsselrolle bei Autoimmunerkrankungen. Die Entdeckung von Zonulin – einem Protein, das die Darmbarriere reguliert – hat gezeigt, dass eine erhöhte Darmpermeabilität (Leaky Gut) Autoimmunprozesse auslösen kann. Wenn die Darmbarriere undicht wird, gelangen Nahrungsbestandteile und Bakterientoxine in den Blutkreislauf und aktivieren das Immunsystem. Was wir tun: Zonulin im Stuhl bestimmen, Stuhlanalyse auf Darmflora und Entzündungsmarker.
Diagnostik in unserer Praxis
Unsere Diagnostik geht über die übliche Autoimmundiagnostik hinaus: organspezifische Antikörper (je nach Verdacht), Entzündungsmarker (hsCRP, BSG, ANA), vollständiges Blutbild und Differentialblutbild, Schilddrüsenpanel inklusive Antikörper, Mikronährstoffstatus (Vitamin D, Selen, Zink, Omega-3-Index), Stuhldiagnostik mit Zonulin und Calprotectin, sowie Nahrungsmittelunverträglichkeits-Tests bei Verdacht.
Funktionell-medizinischer Behandlungsansatz
Die konventionelle Medizin behandelt Autoimmunerkrankungen primär mit Immunsuppressiva. In der funktionellen Medizin ergänzen wir diesen Ansatz um: Darmheilung – Aufbau der Darmbarriere und Optimierung der Darmflora, entzündungshemmende Ernährung – Eliminationsdiät, Autoimmun-Paleo-Protokoll (AIP), Mikronährstoffoptimierung – besonders Vitamin D, Selen und Omega-3, Stressmanagement als zentraler Therapiebaustein, Reduktion von Umweltgiften und Identifikation und Behandlung von Triggern. Wichtig: Die funktionelle Medizin ersetzt nicht die konventionelle Therapie, sondern ergänzt sie sinnvoll.
Fazit
Autoimmunerkrankungen sind komplex, aber nicht hoffnungslos. Indem wir die Ursachen verstehen und gezielt behandeln, können wir den Verlauf oft positiv beeinflussen. In unserer Praxis bieten wir einen ganzheitlichen Ansatz, der konventionelle und funktionelle Medizin verbindet. Vereinbaren Sie einen Termin – gemeinsam finden wir den besten Weg.