Chronische Verstopfung – Ursachen und nachhaltige Lösungen

Wenn der Darm nicht in Schwung kommt

Verstopfung – medizinisch Obstipation – ist ein Thema, über das viele Menschen ungern sprechen. Dabei betrifft es etwa 15–20% der Bevölkerung. In meiner Praxis in Zürich Seefeld höre ich häufig: «Ich war schon immer so» oder «Ich habe mich daran gewöhnt.» Doch chronische Verstopfung ist nicht normal und sollte abgeklärt werden.

Hinter dem verlangsamten Darm stecken oft behandelbare Ursachen – von Schilddrüsenproblemen über Mikronährstoffmängel bis hin zu einer gestörten Darmflora.

Wann spricht man von Verstopfung?

Medizinisch liegt eine Verstopfung vor, wenn der Stuhlgang weniger als dreimal pro Woche erfolgt, der Stuhl hart und klumpig ist, starkes Pressen erforderlich ist, ein Gefühl der unvollständigen Entleerung besteht oder manuelle Hilfe nötig ist. Idealerweise sollte der Stuhlgang einmal täglich und ohne Anstrengung möglich sein. Die Bristol-Stuhlskala – ein anschauliches Klassifikationssystem – hilft bei der Beurteilung: Typ 3 und 4 gelten als optimal.

Häufige Ursachen

1. Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Eine der häufigsten und am meisten übersehenen Ursachen für chronische Verstopfung. Die Schilddrüse steuert den Stoffwechsel – und damit auch die Darmmotilität. Bei einer Unterfunktion verlangsamt sich alles, auch der Darm. Was wir tun: TSH, fT3 und fT4 messen – und zwar die vollständigen Schilddrüsenwerte, nicht nur TSH allein.

2. Magnesiummangel: Magnesium ist essenziell für die Muskelkontraktion – auch für die Darmmuskulatur. Ein Mangel kann den Darm träge machen. Da Magnesium im Serum nur bedingt aussagekräftig ist, bestimmen wir zusätzlich das intrazelluläre Magnesium. Was wir tun: Gezielte Supplementierung mit der richtigen Magnesiumform (Magnesiumcitrat oder -oxid wirken besonders gut auf den Darm).

3. Dysbiose und gestörte Darmflora: Bestimmte Darmbakterien produzieren kurzkettige Fettsäuren, die die Darmmotilität fördern. Fehlen diese Bakterien, wird der Darm träge. Was wir tun: Stuhlanalyse (GI-MAP) und gezielter Aufbau der Darmflora mit Probiotika und präbiotischen Nahrungsmitteln.

4. Ballaststoffmangel und Dehydration: Die moderne Ernährung ist oft ballaststoffarm. Gleichzeitig trinken viele Menschen zu wenig. Beides zusammen verlangsamt die Darmpassage erheblich. Was wir tun: Individuelle Ernährungsberatung mit Fokus auf lösliche und unlösliche Ballaststoffe.

5. Medikamente: Zahlreiche Medikamente können Verstopfung verursachen – Eisenpräparate, Schmerzmittel (besonders Opioide), Antidepressiva, Blutdrucksenker und Kalziumpräparate. Was wir tun: Medikamentenanamnese und wenn möglich Umstellung auf verträglichere Alternativen.

6. Beckenbodendysfunktion: Manchmal liegt das Problem nicht im Darm selbst, sondern in der Koordination der Beckenbodenmuskulatur. Der Stuhl wird zwar transportiert, aber die Entleerung funktioniert nicht richtig. Was wir tun: Überweisung zur spezialisierten Beckenbodendiagnostik.

Unsere Diagnostik

Eine gründliche Abklärung umfasst: ausführliche Anamnese inklusive Ernährungs- und Medikamentenprotokoll, Laboruntersuchungen mit Schilddrüsenwerten, Magnesium, Kalzium, Blutzucker und Entzündungsmarkern, Stuhldiagnostik mit Calprotectin und Darmflora-Analyse sowie bei entsprechender Indikation die Überweisung zur Koloskopie – insbesondere bei Patienten über 50 oder bei Alarmsymptomen.

Nachhaltige Behandlung

Statt dauerhaft Abführmittel einzunehmen, setzen wir auf einen ursachenorientierten Ansatz: Behandlung der Grunderkrankung, Ernährungsoptimierung mit ausreichend Ballaststoffen und Flüssigkeit, gezielte Supplementierung bei nachgewiesenen Mängeln, Probiotika zum Aufbau einer gesunden Darmflora, Bewegung – schon 30 Minuten tägliches Gehen fördert die Darmmotilität erheblich – und Stressreduktion, da chronischer Stress den Parasympathikus hemmt und den Darm verlangsamt.

Fazit

Chronische Verstopfung ist behandelbar – wenn man die Ursache kennt. Hören Sie auf Ihren Körper und lassen Sie sich beraten. In unserer Praxis finden wir gemeinsam heraus, warum Ihr Darm nicht in Schwung kommt, und entwickeln einen individuellen Behandlungsplan.

WhatsApp