Haarausfall betrifft Frauen und Männer gleichermassen – und ist weit mehr als ein kosmetisches Problem. Wenn plötzlich mehr Haare in der Bürste bleiben oder sich lichte Stellen zeigen, stecken oft behandelbare medizinische Ursachen dahinter. In meiner Praxis in Zürich Seefeld ist Haarausfall einer der häufigsten Gründe für eine erweiterte Labordiagnostik – und die Ergebnisse überraschen oft.
Wie viel Haarausfall ist normal?
Wir verlieren täglich 50 bis 100 Haare – das ist völlig normal und gehört zum natürlichen Haarzyklus. Von krankhaftem Haarausfall (Alopezie) sprechen wir, wenn deutlich mehr Haare ausfallen, die Haardichte sichtbar abnimmt oder kahle Stellen entstehen.
Die häufigsten Ursachen
Eisenmangel: Die häufigste behandelbare Ursache bei Frauen. Schon Ferritinwerte unter 40 µg/l können Haarausfall begünstigen – obwohl sie labormedizinisch noch als „normal» gelten. Besonders betroffen sind Frauen mit starker Menstruation.
Schilddrüsenstörungen: Sowohl Über- als auch Unterfunktion können zu diffusem Haarausfall führen. Die Haare werden oft dünner und brüchiger.
Vitamin-D-Mangel: Vitamin D spielt eine Rolle im Haarzyklus. Niedrige Spiegel werden mit telogenem Effluvium in Verbindung gebracht.
Zinkmangel: Zink ist essenziell für die Zellteilung – auch in den Haarfollikeln. Ein Mangel führt zu dünnem, brüchigem Haar.
Hormonelle Veränderungen: Nach der Schwangerschaft, beim Absetzen der Pille oder in den Wechseljahren kann es zu hormonbedingtem Haarausfall kommen. Auch ein Überschuss an männlichen Hormonen (Androgene) spielt eine Rolle.
Stress und Cortisol: Chronischer Stress verschiebt Haare vorzeitig in die Ausfallphase. Der Haarausfall tritt typischerweise 2–3 Monate nach dem Stressereignis auf.
Autoimmunerkrankungen: Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die eigenen Haarfollikel angreift.
Medikamente: Bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung Haarausfall verursachen – darunter Blutverdünner, Betablocker, Antidepressiva und Chemotherapeutika.
Diagnose – welche Tests sind sinnvoll?
In meiner Praxis beginne ich mit einer ausführlichen Anamnese und einer gezielten Labordiagnostik. Dazu gehören: Ferritin, Transferrinsättigung, Schilddrüsenwerte (TSH, fT3, fT4, TPO-AK), Zink, Vitamin D, Vitamin B12, Homocystein, DHEA-S und bei Frauen die Sexualhormone.
Wichtig ist, nicht nur einen einzelnen Wert zu betrachten, sondern das Gesamtbild: Oft ist es die Kombination aus mehreren suboptimalen Werten, die den Haarausfall verursacht.
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Bei Eisenmangel kann eine Eiseninfusion den Speicher schnell auffüllen. Schilddrüsenstörungen werden medikamentös behandelt. Hormonelle Ursachen erfordern eine individuelle Hormontherapie.
Ergänzend bieten wir in der Praxis PRP-Therapie (Platelet-Rich Plasma) an: Dabei wird aus Ihrem eigenen Blut ein Plättchenkonzentrat gewonnen und in die Kopfhaut injiziert. Die Wachstumsfaktoren stimulieren die Haarfollikel und fördern neues Haarwachstum.
Fazit
Haarausfall ist selten „nur genetisch» oder „nur Stress». Eine gründliche Labordiagnostik deckt fast immer behandelbare Ursachen auf. In meiner Praxis verfolge ich einen systematischen Ansatz – vom Labor bis zur Therapie – damit Ihre Haare wieder kräftig nachwachsen können.