Muskelschmerzen und Fibromyalgie – wenn alles wehtut

Schmerzen ohne klare Ursache

Diffuse Muskelschmerzen, die wandern und keine klare Ursache haben, sind eine diagnostische Herausforderung. In meiner Praxis in Zürich Seefeld erlebe ich häufig Patienten, die von Arzt zu Arzt gegangen sind, ohne eine befriedigende Erklärung zu erhalten. Viele haben die Diagnose Fibromyalgie bekommen – andere suchen noch nach Antworten.

Fibromyalgie verstehen

Fibromyalgie ist eine chronische Schmerzerkrankung mit weit verbreiteten Muskelschmerzen, Erschöpfung, Schlafstörungen und kognitiven Beeinträchtigungen. Sie betrifft etwa 2–4% der Bevölkerung, Frauen deutlich häufiger als Männer. Die Diagnose wird gestellt, wenn weit verbreitete Schmerzen länger als drei Monate bestehen und andere Erkrankungen ausgeschlossen wurden.

Das Problem: Fibromyalgie ist eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, dass wir zuerst alle anderen möglichen Ursachen ausschliessen müssen.

Was zuerst ausgeschlossen werden muss

1. Vitamin-D-Mangel: Kann identische Symptome wie Fibromyalgie verursachen. In Studien hatten bis zu 40% der Fibromyalgie-Patienten einen schweren Vitamin-D-Mangel. Was wir tun: Vitamin-D-Spiegel bestimmen – vor der Fibromyalgie-Diagnose obligat.

2. Schilddrüsenunterfunktion: Hypothyreose verursacht diffuse Muskelschmerzen, Müdigkeit und kognitive Probleme – exakt wie Fibromyalgie. Was wir tun: Vollständiges Schilddrüsenpanel.

3. Eisenmangel: Auch ohne Anämie kann Eisenmangel Muskelschmerzen und Fatigue verursachen. Was wir tun: Ferritin bestimmen.

4. Magnesiummangel: Magnesium ist essenziell für die Muskelentspannung. Ein Mangel führt zu Krämpfen, Verspannungen und chronischen Schmerzen. Was wir tun: Magnesium im Vollblut.

5. Entzündliche Erkrankungen: Rheumatoide Arthritis, Polymyalgia rheumatica oder Lupus können mit diffusen Schmerzen beginnen. Was wir tun: Entzündungsmarker, Rheumafaktor, ANA.

6. Nebennierenschwäche: Cortisol-Dysregulation durch chronischen Stress kann zu erhöhter Schmerzempfindlichkeit führen. Was wir tun: Cortisol-Tagesprofil.

7. Schlafstörungen: Schlechter Schlaf sensibilisiert das Nervensystem für Schmerzen. Viele Fibromyalgie-Patienten haben eine Schlafapnoe oder andere Schlafstörungen. Was wir tun: Schlafanamnese.

Diagnostik

Unser umfassendes Screening umfasst: grosses Blutbild, Schilddrüsenwerte, Vitamin D, B12, Eisen und Ferritin, Magnesium im Vollblut, Entzündungsmarker und Rheuma-Screening, Blutzucker und HbA1c, Cortisol sowie bei Bedarf Stuhldiagnostik.

Behandlung

Wenn eine spezifische Ursache gefunden wird, behandeln wir diese gezielt. Bei gesicherter Fibromyalgie setzen wir auf einen multimodalen Ansatz: regelmässige moderate Bewegung (der wichtigste Baustein), Schlafoptimierung, Stressmanagement und Achtsamkeit, entzündungshemmende Ernährung, gezielte Supplementierung (Vitamin D, Magnesium, CoQ10, Omega-3), Physiotherapie und bei Bedarf medikamentöse Therapie. Wichtig: Fibromyalgie ist keine psychische Erkrankung, aber psychische Faktoren beeinflussen den Verlauf.

Fazit

Chronische Muskelschmerzen verdienen eine gründliche Abklärung, bevor die Diagnose Fibromyalgie gestellt wird. In unserer Praxis nehmen wir Ihre Schmerzen ernst und suchen systematisch nach behandelbaren Ursachen. Vereinbaren Sie einen Termin.

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