Nahrungsmittelunverträglichkeiten – Symptome richtig deuten

Wenn Essen krank macht

Blähungen nach dem Mittagessen, Durchfall nach dem Kaffee, Kopfschmerzen nach dem Abendessen – viele Menschen ahnen, dass bestimmte Lebensmittel ihnen nicht guttun, können aber nicht genau sagen, welche. In meiner Praxis in Zürich Seefeld gehören Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu den häufigsten Gründen für einen Arztbesuch.

Wichtig ist die Unterscheidung: Eine Unverträglichkeit ist keine Allergie. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem sofort und teilweise lebensbedrohlich. Bei einer Unverträglichkeit (Intoleranz) sind die Symptome verzögert und weniger dramatisch – aber chronisch belastend.

Die häufigsten Unverträglichkeiten

1. Laktoseintoleranz: Etwa 15–20% der Schweizer Bevölkerung vertragen Milchzucker schlecht. Der Grund: Ein Mangel des Enzyms Laktase, das Laktose im Dünndarm spaltet. Unverdaute Laktose gelangt in den Dickdarm und wird dort von Bakterien vergoren – mit Blähungen, Durchfall und Bauchkrämpfen als Folge. Diagnose: H2-Atemtest nach Laktosebelastung.

2. Fruktosemalabsorption: Fruktose – Fruchtzucker – wird über einen speziellen Transporter (GLUT-5) im Dünndarm aufgenommen. Bei manchen Menschen ist dieser Transporter eingeschränkt, sodass Fruktose in den Dickdarm gelangt und dort Beschwerden verursacht. Besonders tückisch: Fruktose steckt nicht nur in Obst, sondern auch in vielen verarbeiteten Lebensmitteln als Sirup. Diagnose: H2-Atemtest nach Fruktosebelastung.

3. Histaminintoleranz: Histamin ist ein biogenes Amin, das in vielen Lebensmitteln vorkommt – besonders in gereiftem Käse, Rotwein, Sauerkraut, geräuchertem Fisch und Schokolade. Normalerweise baut das Enzym Diaminoxidase (DAO) Histamin im Darm ab. Bei einem DAO-Mangel akkumuliert Histamin und verursacht vielfältige Symptome: Kopfschmerzen, Hautrötung, Herzrasen, Magen-Darm-Beschwerden und verstopfte Nase. Was wir tun: DAO-Aktivität im Blut messen, Histaminspiegel bestimmen und eine gezielte Eliminationsdiät durchführen.

4. Glutenunverträglichkeit und Zöliakie: Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Gluten die Dünndarmschleimhaut angreift. Aber auch ohne Zöliakie kann Gluten Beschwerden verursachen – die sogenannte Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität (NCGS). Symptome reichen von Blähungen und Durchfall bis zu Müdigkeit, Gelenkschmerzen und Brainfog. Was wir tun: Zöliakie-Screening im Blut (Transglutaminase-Antikörper, Gesamt-IgA), bei positivem Befund Überweisung zur Gastroskopie mit Biopsie.

5. Sorbitintoleranz: Sorbit ist ein Zuckeralkohol, der in «zuckerfreien» Produkten, aber auch natürlich in Steinobst vorkommt. Bei eingeschränkter Aufnahme im Dünndarm kommt es zu osmotischem Durchfall und Blähungen. Diagnose: H2-Atemtest nach Sorbitbelastung.

Warum die Diagnostik so wichtig ist

Viele Patienten haben bereits auf eigene Faust Lebensmittel weggelassen – oft die falschen. Das führt zu unnötigen Einschränkungen und kann sogar zu Mangelzuständen führen. Eine professionelle Diagnostik spart Zeit, Nerven und stellt sicher, dass keine ernsthafte Erkrankung übersehen wird.

Unser diagnostischer Ansatz

In unserer Praxis bieten wir einen strukturierten Abklärungsweg: Zunächst ein detailliertes Anamnesegespräch mit Ernährungs- und Symptomtagebuch. Dann die laborchemische Basisdiagnostik mit Blutbild, Entzündungsmarkern, Zöliakie-Screening und DAO-Aktivität. Bei Verdacht auf Kohlenhydratmalabsorption folgen H2-Atemtests. Die Stuhldiagnostik mit Calprotectin und Pankreaselastase rundet die Abklärung ab. Bei Bedarf führen wir eine begleitete Eliminationsdiät mit systematischer Reintroduktion durch.

Behandlung und Alltag

Die Therapie richtet sich nach der spezifischen Unverträglichkeit. Generell gilt: Nicht pauschal verzichten, sondern gezielt die individuellen Trigger meiden. Viele Unverträglichkeiten sind dosisabhängig – kleine Mengen werden oft toleriert. Enzympräparate können bei Laktoseintoleranz und Histaminintoleranz unterstützen. Eine gesunde Darmflora verbessert die Verträglichkeit vieler Nahrungsmittel. Und Stress reduziert die Verdauungsleistung – Entspannung verbessert sie.

Fazit

Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind weit verbreitet und gut diagnostizierbar. Statt im Blindflug Lebensmittel zu streichen, empfehle ich eine gezielte Abklärung. So wissen Sie genau, was Sie vertragen und was nicht – und können Ihre Ernährung optimal anpassen. Vereinbaren Sie einen Termin in unserer Praxis.

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