Wenn Östrogen die Oberhand gewinnt
Östrogen ist ein lebensnotwendiges Hormon – bei Frauen wie bei Männern. Doch wenn Östrogen im Verhältnis zu Progesteron überwiegt, sprechen wir von einer Östrogendominanz. Dieser Zustand ist weit verbreitet und wird in der konventionellen Medizin oft übersehen. In meiner Praxis in Zürich Seefeld gehört die Östrogendominanz zu den häufigsten hormonellen Befunden bei Frauen zwischen 30 und 55.
Wichtig: Östrogendominanz bedeutet nicht zwingend, dass zu viel Östrogen vorhanden ist – es kann auch sein, dass zu wenig Progesteron da ist. Das Verhältnis entscheidet.
Typische Symptome bei Frauen
Die Beschwerden sind vielfältig und beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich: PMS mit Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Brustspannen, starke und schmerzhafte Menstruation, Gewichtszunahme besonders an Hüfte und Oberschenkeln, Wassereinlagerungen und aufgedunsenes Gefühl, Kopfschmerzen und Migräne (zyklusabhängig), Schlafstörungen, Ängstlichkeit und depressive Verstimmung, Myome und Endometriose sowie Schwierigkeiten, schwanger zu werden.
Auch Männer können betroffen sein
Östrogendominanz betrifft nicht nur Frauen. Bei Männern äussert sie sich durch: Gynäkomastie (Brustvergrösserung), Zunahme von Bauchfett, verminderte Libido und erektile Dysfunktion, Müdigkeit und Antriebslosigkeit sowie emotionale Labilität. Besonders übergewichtige Männer sind gefährdet, da das Fettgewebe das Enzym Aromatase enthält, das Testosteron in Östrogen umwandelt.
Ursachen
1. Progesteronmangel: Ab Mitte 30 beginnt die Progesteronproduktion bei Frauen zu sinken – oft deutlich vor dem Östrogenabfall. Es entstehen anovulatorische Zyklen (Zyklen ohne Eisprung), bei denen kaum Progesteron gebildet wird. Was wir tun: Progesteron und Östradiol im Blut bestimmen, idealerweise in der zweiten Zyklushälfte.
2. Xenoöstrogene – Umweltöstrogene: Unsere Umwelt ist voller östrogenähnlicher Substanzen: Bisphenol A (BPA) in Plastik, Phthalate in Kosmetik, Pestizide in Lebensmitteln und Parabene in Pflegeprodukten. Diese Xenoöstrogene docken an Östrogenrezeptoren an und verstärken die Östrogenwirkung. Was wir tun: Aufklärung über Expositionsquellen und praktische Tipps zur Reduktion.
3. Gestörter Östrogenabbau in der Leber: Die Leber ist das zentrale Organ für den Östrogenabbau. Wenn die Leberentgiftung nicht optimal funktioniert – durch Alkohol, Medikamente, Umweltgifte oder Nährstoffmängel – akkumuliert Östrogen im Körper. Was wir tun: Leberwerte und Entgiftungskapazität überprüfen.
4. Darmgesundheit: Im Darm gibt es das sogenannte Estrobolom – eine Gruppe von Darmbakterien, die am Östrogenstoffwechsel beteiligt sind. Bei einer Dysbiose kann der Östrogenspiegel ansteigen, weil Östrogen im Darm wieder aufgenommen statt ausgeschieden wird. Was wir tun: Stuhlanalyse und Aufbau einer gesunden Darmflora.
5. Übergewicht: Fettgewebe produziert aktiv Östrogen. Je höher der Körperfettanteil, desto mehr Östrogen wird gebildet. Was wir tun: Individuelle Ernährungs- und Bewegungsberatung.
Diagnostik
In unserer Praxis bieten wir eine umfassende Hormondiagnostik: Östradiol, Progesteron, Testosteron, DHEA-S und Cortisol im Blut, SHBG und freie Hormonindizes, Schilddrüsenwerte (häufig mit Östrogendominanz assoziiert), Leberwerte und Entzündungsmarker sowie bei Bedarf den DUTCH-Test für einen detaillierten Überblick über den Hormonstoffwechsel und Östrogenmetabolismus.
Behandlung
Die Therapie der Östrogendominanz ist multimodal: Leberunterstützung mit Kreuzblütlergemüse (Brokkoli, Blumenkohl), DIM und Kalzium-D-Glucarat, Darmgesundheit optimieren mit Probiotika und Ballaststoffen, Xenoöstrogene reduzieren durch Glas statt Plastik und Naturkosmetik, entzündungshemmende Ernährung mit Omega-3-Fettsäuren, Gewichtsmanagement und regelmässige Bewegung, Stressreduktion zur Senkung der Cortisolbelastung sowie bei Bedarf bioidentisches Progesteron zur Wiederherstellung des hormonellen Gleichgewichts.
Fazit
Östrogendominanz ist eine häufige und gut behandelbare Ursache vielfältiger Beschwerden. Wenn Sie sich in den beschriebenen Symptomen wiedererkennen, lohnt sich eine hormonelle Abklärung. In unserer Praxis nehmen wir uns die Zeit für eine umfassende Diagnostik und einen individuellen Therapieplan.