Schwindel – Ursachen finden und gezielt behandeln

Wenn die Welt sich dreht

Schwindel ist eines der häufigsten Symptome in der Hausarztpraxis. In meiner Praxis in Zürich Seefeld gehört er zu den Top-10-Beschwerden, die Patienten zum Arzt führen. Schwindel ist keine Krankheit, sondern ein Symptom – und die Ursachen sind vielfältig.

Wichtig ist die Unterscheidung: Drehschwindel (die Umgebung dreht sich), Schwankschwindel (Gefühl der Unsicherheit), Benommenheit (dumpfes Gefühl im Kopf) und Liftschwindel (Gefühl des Absinkens). Jede Art weist auf unterschiedliche Ursachen hin.

Häufige Ursachen

1. Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS): Die häufigste Schwindelursache überhaupt. Kleine Kristalle im Innenohr lösen sich und gelangen in die Bogengänge. Typisch: kurzer Drehschwindel bei Lageveränderung (Umdrehen im Bett, Bücken, Kopf in den Nacken). Was wir tun: Diagnose durch Lagerungsmanöver (Dix-Hallpike-Test), Behandlung durch Befreiungsmanöver (Epley-Manöver) – oft in einer Sitzung geheilt.

2. Orthostatische Hypotonie: Blutdruckabfall beim Aufstehen. Häufig bei niedrigem Blutdruck, Dehydration, Medikamenten und autonomer Dysfunktion. Was wir tun: Schellong-Test (Blutdruck- und Pulsmessung im Liegen und Stehen).

3. Eisenmangel und Anämie: Bei Blutarmut wird das Gehirn schlechter mit Sauerstoff versorgt. Schwindel, besonders bei Belastung, ist ein häufiges Symptom. Was wir tun: Blutbild und Eisenstatus bestimmen.

4. Schilddrüsenstörung: Sowohl Über- als auch Unterfunktion können Schwindel verursachen. Was wir tun: Schilddrüsenwerte kontrollieren.

5. Blutzuckerschwankungen: Hypoglykämien (Unterzuckerungen) verursachen Schwindel, Schwitzen und Zittern. Was wir tun: Blutzucker und Insulin bestimmen.

6. Vestibularisneuritis: Entzündung des Gleichgewichtsnervs, meist viral bedingt. Akuter, heftiger Drehschwindel über Tage. Was wir tun: Neurologische Untersuchung, Überweisung zum HNO bei Bedarf.

7. Morbus Menière: Anfallsartiger Drehschwindel mit Hörverlust und Tinnitus. Was wir tun: Überweisung zur spezialisierten HNO-Diagnostik.

8. Psychogener Schwindel: Angst und Stress sind häufige Schwindelursachen. Der «phobische Schwankschwindel» ist die zweithäufigste Schwindeldiagnose. Was wir tun: Ausschluss organischer Ursachen, dann gezielte Behandlung der Angstkomponente.

Diagnostik

Unsere Schwindelabklärung umfasst: ausführliche Anamnese (Art, Dauer, Auslöser des Schwindels), neurologische Untersuchung, Lagerungsmanöver, Blutdruck im Liegen und Stehen, Labordiagnostik mit Blutbild, Eisen, Schilddrüse, Blutzucker und Elektrolyten, EKG sowie bei Bedarf Überweisung zum HNO oder Neurologen.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache: BPLS wird mit Befreiungsmanövern behandelt, orthostatischer Schwindel mit Kreislauftraining und Flüssigkeitszufuhr, Eisenmangel mit Supplementierung oder Infusion, vestibuläre Störungen mit Gleichgewichtstraining und psychogener Schwindel mit Verhaltenstherapie und Desensibilisierung.

Fazit

Schwindel ist belastend, aber in den meisten Fällen gut diagnostizierbar und behandelbar. Eine gezielte Abklärung spart Ihnen Monate des Leidens. Vereinbaren Sie einen Termin in unserer Praxis – wir bringen Ihren Gleichgewichtssinn wieder in Balance.

WhatsApp