Testosteronmangel beim Mann – Symptome, Ursachen und Therapie

Mehr als ein Hormon

Testosteron wird oft auf Muskelaufbau und Libido reduziert. Tatsächlich beeinflusst dieses Hormon nahezu jedes Organ im männlichen Körper – von der Knochengesundheit über die Stimmung bis zum Herz-Kreislauf-System. In meiner Praxis in Zürich Seefeld sehe ich zunehmend Männer zwischen 35 und 55, die unter Symptomen eines Testosteronmangels leiden, ohne es zu wissen.

Der altersbedingte Testosteronabfall ist natürlich – ab dem 30. Lebensjahr sinkt der Spiegel um etwa 1–2% pro Jahr. Doch bei manchen Männern fällt er schneller und tiefer als normal, mit spürbaren Auswirkungen auf die Lebensqualität.

Typische Symptome

Die Symptome eines Testosteronmangels sind vielfältig und werden häufig dem Alter oder Stress zugeschrieben: chronische Müdigkeit und Antriebslosigkeit, verminderte Libido und erektile Dysfunktion, Verlust von Muskelmasse und Kraft, Zunahme von Bauchfett, depressive Verstimmung und Reizbarkeit, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Schlafstörungen, verminderte Körperbehaarung, Osteoporose und Knochenabbau sowie Schwitzen und Hitzewallungen.

Ursachen

1. Primärer Hypogonadismus: Die Hoden produzieren nicht genügend Testosteron. Ursachen können genetisch sein (Klinefelter-Syndrom), durch Verletzungen, Infektionen (Mumps-Orchitis) oder Umweltgifte bedingt. Was wir tun: Vollständiges Hormonpanel mit LH und FSH zur Beurteilung der Hodenfunktion.

2. Sekundärer Hypogonadismus: Das Problem liegt in der Steuerungszentrale – Hypothalamus oder Hypophyse senden nicht genügend Signale an die Hoden. Häufige Ursachen: Übergewicht, Diabetes, Stress, Schlafapnoe und bestimmte Medikamente (Opioide, Kortikoide). Was wir tun: Erweiterte Hormondiagnostik mit LH, FSH, Prolaktin und bei Bedarf MRT der Hypophyse.

3. Lebensstilfaktoren: Übergewicht ist einer der stärksten Risikofaktoren – Fettgewebe wandelt Testosteron durch das Enzym Aromatase in Östrogen um. Chronischer Stress erhöht Cortisol, das die Testosteronproduktion hemmt. Schlafmangel, Alkoholkonsum und Bewegungsmangel tun ihr Übriges. Was wir tun: Umfassende Lifestyle-Anamnese und individueller Optimierungsplan.

4. Mikronährstoffmängel: Zink, Vitamin D und Magnesium sind direkt an der Testosteronsynthese beteiligt. Ein Mangel an diesen Mikronährstoffen kann den Testosteronspiegel senken. Was wir tun: Mikronährstoff-Screening und gezielte Supplementierung.

Diagnostik in unserer Praxis

Die Diagnose eines Testosteronmangels erfordert mehr als einen einzelnen Blutwert. Unser umfassendes Hormonpanel umfasst: Gesamttestosteron und freies Testosteron (morgens nüchtern), SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin), LH und FSH, Östradiol, Prolaktin, DHEA-S, Cortisol, PSA (Prostata-Screening), Blutbild, Leberwerte und Blutfette sowie Schilddrüsenwerte – da Schilddrüse und Testosteron eng zusammenhängen. Mindestens zwei Messungen an verschiedenen Tagen sind nötig, um die Diagnose zu sichern.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung hängt von der Ursache und dem Schweregrad ab. Bei moderatem Mangel mit Lifestyle-Faktoren beginnen wir mit natürlichen Massnahmen: Gewichtsreduktion – schon 5–10% Gewichtsverlust können den Testosteronspiegel deutlich steigern, Krafttraining – die wirksamste natürliche Massnahme zur Testosteronsteigerung, Schlafoptimierung – mindestens 7–8 Stunden pro Nacht, Stressreduktion und Cortisolsenkung sowie gezielte Supplementierung mit Zink, Vitamin D, Magnesium und Omega-3.

Bei nachgewiesenem klinischem Hypogonadismus kann eine Testosteronersatztherapie (TRT) erwogen werden – als Gel, Injektion oder Pflaster. Diese Therapie erfordert eine sorgfältige Indikationsstellung und regelmässige Kontrollen, da sie auch Nebenwirkungen haben kann.

Fazit

Ein Testosteronmangel ist keine unvermeidliche Folge des Älterwerdens. Mit der richtigen Diagnostik und einem individuellen Behandlungsplan lässt sich viel erreichen. Wenn Sie sich in den beschriebenen Symptomen wiedererkennen, vereinbaren Sie einen Termin in unserer Praxis – wir schauen genau hin.

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