Aus der Praxis · Praxis Dr. Romanos
Ein Paradoxon, das ich in meiner Praxis in Zürich immer wieder sehe: Patienten, die sehr bewusst essen, gesunde Salate, Vollkorn, Fisch — und trotzdem haben Nährstoffmängel. Das ist nicht nur eine Frage der Ernährung. Es ist eine Frage der Resorption, der Speicherkapazität, der Genexpression und der Lebensstilfaktoren. Einfach "besser essen" reicht oft nicht.
Moderne Landwirtschaft hat die Böden ausgelaugt. Gemüse und Früchte, die heute angebaut werden, haben oft 50-75% weniger Mineralien als vor 50 Jahren. Das ist nicht deine Schuld als Patient — das ist ein globales Bodenproblem. Ein Apfel heute hat weniger Magnesium, Zink, Selen als der Apfel deiner Grossmutter.
Magensäuremangel ist häufig, besonders mit dem Älterwerden. Viele ältere Patienten nehmen Protonenpumpenhemmer, was die Resorption von B12, Calcium, Eisen einschränkt. Darmbakterien-Dysbiose — ein immer häufiger werdendes Problem — beeinträchtigt auch die Nährstoff-Aufnahme. Ein schönes Gemüse nützt nichts, wenn der Darm es nicht aufnehmen kann.
Manche Menschen haben genetische Varianten (MTHFR-Polymorphismen, z.B.), die beeinflussen, wie effizient sie Folat verstoffwechseln. Manche Menschen haben Varianten in Vitamin-D-Rezeptoren. Das bedeutet: die gleiche Menge Nährstoff wird von verschiedenen Menschen unterschiedlich aufgenommen und genutzt. Ernährung allein kann das nicht kompensieren.
Menschen mit hoher körperlicher Aktivität verbrauchen mehr Nährstoffe. Trainingsprogramme erhöhen den Bedarf an Magnesium, Zink, Eisen, B-Vitaminen. Ein Läufer, der 80 km pro Woche läuft, und sich normal ernährt, wird wahrscheinlich Mängel entwickeln. Das braucht gezielte Supplementierung.
Chronischer Stress verbraucht Magnesium. Das ist biochemisch etabliert. Viele meiner Patienten mit Stress und schlechtem Schlaf sind einfach Magnesium-depletiert. Eine Supplementierung kann Wunder wirken. Cortisol und Stress schaffen ein Umfeld, das Nährstoff-Depletierung fördert.
Ich bin nicht ein Befürworter von willkürlicher Mega-Supplementierung. Das ist Geldverschwendung und kann sogar schädlich sein (z.B. zu viel Eisen). Aber gezielte Supplementierung basierend auf Tests ist sinnvoll. Vitamin D im Winter, B12 für Vegetarier, Magnesium für Stress-Patienten — das ist rationale, individualisierte funktionelle Medizin.
Nächster Schritt: Vereinbaren Sie eine Konsultation, um Ihre Gesundheit im Detail zu besprechen.
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